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Pressebericht

„Schwätzt mit Kinner un Enkel Dialekt“

Mundartabend mit Hans Peter Langlotz im Bergwirthshaus - Geschichten vom Maibaum, Mühlbach und Schlachtfest

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(em). Treffender hätte das „Bühnenbild“ nicht sein können: ein Apfelbaum, üppig behangen, breitete seine Äste aus. Aus den Äpfeln tropfte der goldene Saft direkt in einen Bembel, der fast so hoch war wie der Stamm selbst. Naheliegend, dass ein Besucher feststellte: „Hier ist eine Stimmung wie im Blauen Bock!“ Das war ein doppeltes Kompliment - an die Aktiven des Geschichts- und Kulturkreises als Veranstalter wie auch an den Sänger und Rezitator des Mundartabends, Hans Peter Langlotz. Er hatte etwas Besonderes in den Gewölbekeller des Bergwirthshauses mitgebracht: sein neues Buch „Gud’n Dach, Karl!“

Kein Zufall, dass Hessen-Urgestein Karl-Heinz Stier dazu ein Vorwort geschrieben hat: „Ei, Hans Peter, Du hast ja widder emol e Buch geschriwwe, das freut mich aber!“ Eine lange freundschaftliche Beziehung verbindet den Medienprofi mit Langlotz. Der ist schon mehr als 100 Mal bei Mundartveranstaltungen mit Stier und Michaele Scherenberg aufgetreten.

Auch nach Gedern hatte Langlotz die Gitarre samt Liedern und Anekdoten aus seinem neuen Buch mitgebracht. Der von Kerzen beschienene Gewölbekeller, die Bewirtung mit Bretzeln, Schmalzbrot und Handkäs, die langen Tische - einen stimmungsvolleren Rahmen hätte es nicht geben können. Zufrieden konnte die Kulturkreisvorsitzende Gabriele Bieger bei ihrer Begrüßung in einen Raum blicken, der voll besetzt war.

„Ja, mir san halt echde Hesse, trinke gern en Abbelwoi. Dabei derf mr net vergesse: Weck un Worschd gehern dabei ...“ Vom ersten Lied an wusste Langlotz die Sympathie seiner Zuhörer auf sich zu ziehen. „Der kennt sei Leut“, meinte einer der Zuhörer anerkennend zu seiner Begleiterin. Richtig: Mit den Geschichten um den „Haase Paul“, den verstorbenen Küfer und Apfelweinwirt aus Eckartsborn, erinnerte Langlotz an ein Original, das auch vielen Gedernern bekannt war: „Der hod alles selber gemachd, des Fass un aach de Wei!“ Hübsch auch die Anekdote einer Fernsehaufzeichnung im Jahr 1997 aus Ortenberg. Stier und Scherenberg fragten Langlotz nach ortsansässigen Originalen und holten auf seinen Tipp hin den „Haase Paul“ mit Mahlwerk und 100 Jahre alter Kelter vor die Kameras, mitten auf dem Marktplatz. Der beäugte misstrauisch das „Neischwätzding“, das ihm Barbara Siehl entgegen hielt. Eigentlich hätte er besonders schöne Äpfel hochhalten und kommentieren sollen: „Die besde sin grad gud genuch!“ Das Lampenfieber brachte ihn zum Stottern, und als er dann auch noch sah, dass der Eimer unter der Presse voll war und der gute Saft auf die Straße floss, machte er sich Luft: „Un... un... un... wann de Eimer iwwerleeft, iss er meisdens voll!“

Hans Peter Langlotz freute sich am Gelächter seiner Zuhörer, aber er hatte noch mehr im Sinn. „Dieses Buch soll in erster Linie den Zweck haben, unsere hessische Mundart zu erhalten!“ schreibt er im Vorwort. „Schwätzt mit euern Kinner un Enkel Dialekt!“, forderte er auch die Gederner Zuhörer auf und erinnerte an die vielen verschwundenen Mundartausdrücke, an das gängige Einheits-Hochdeutsch, dem viel von der Bildhaftigkeit der Dialekte fehle. Damit gehe auch ein der Orte verloren: „In Hessen gibt es mindestens 200 Mundartvarianten. Wenn sie im einen Dorf Babier sagen, heißt es drei Kilometer weiter schon Babeier.“

Singend und erzählend stellt Langlotz die Pfiffigkeit, die Anschaulichkeit des Oberhessischen vor. „Eich sei en hoffnungslose, altmodische Typ“, singt er, „eich mache alles so wie freuer aus Prinzip.“ Und dann erzählt er verschmitzte Geschichten: von der Schlägerei mit der Borngelse etwa, vom Maibaum, vom Mühlbach, vom Schlachtfest im Vogelsberg, von der Latwergezeit. Dann singt er wieder - von der „Dämpkolonne“, vom Schnäpsche, das nicht schaden kann, und stimmt schließlich „Jo, so woarsch bei uns halt freuer!“ an. Fazit: Das war ein gemütlicher Abend, die Zuschauer dankten Langlotz mit lebhaftem Applaus.

Das Buch „Gud’n Dach, Karl!“ mit den Illustrationen von Axel Fahl (Reichelsheim) und den Liedern im Satz von Rolf Blenn ist im Dünenläufer Verlag erschienen, hat die ISBN 978-3-00-032600-4 und ist im Handel erhältlich.

Quelle: Kreis-Anzeiger, 20. Januar 2011