Pressebericht – 2017 – TheodoBo

Volles Haus für „TheodoBo“

Süß-sauer gespritzte Hessen-Comedy beim Kulturkreis fand riesige Resonanz

GEDERN. Drei Frankfurter Originale gaben sich jetzt auf Einladung des Gederner Kulturkreises im Gederner Schloss die Ehre: Mit seinem Kleinkunstprogramm „Struwwelpeter, Dichterfürst & Klappergass“ gab das „Theater ohne doppelten Boden“ (TheodoBo) aus Büdingen in der Kulturremise ein Heimatstück aus Sachsenhausen zum Besten.

Geheimrat Goethe, Frau Rauscher aus der Klappergass und der Struwwelpeter gaben sich ein Stelldichein in Gedern.

„Wir hätten die Plätze für diese Veranstaltung doppelt verkaufen können. Ich freue mich über ein ausverkauftes Haus. Unsere Künstler sind waschechte Oberhessen, denn alle drei wurden in Büdingen und somit in der Brustwarze Hessens geboren. Freuen Sie sich auf TheodoBo alias Gerd Ungermann, Sylvia Oster und Markus Karger“, begrüßte Kulturkreis-Vorsitzende Gabi Bieger Publikum und Schauspieler gleichermaßen herzlich. Letztgenannte legten dann auch gleich los und schlüpften in Charaktere, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Denn in den Figuren von Geheimrat Goethe (Gerd Ungermann), Frau Rauscher aus der Klappergass (Sylvia Oster) und Struwwelpeter (Markus Karger) servierte das Schauspieler-Trio den Zuschauern süß-sauer gespritzte Hessen-Comedy.

Als Urgestein von Sachsenhausen empfahl Frau Rauscher das hessische Nationalgetränk als Geheimwaffe im Kampf gegen die Zeichen des Alterns. „Äppelwoi ist frisch und voll biologisch, er ist vegan und ein reines Naturprodukt“, meinte die Fachfrau. Kein Wunder also, dass Apfelwein vor allem unverdünnt durchschlagende Wirkung habe. Äppelwoi wirke generell „innenwendig“ und verschaffe in kombinierter Anwendung mit Riwwelkuche und Griiiiie Soß´ und mit einer ausgefeilten Klopf- und Knetmassage ein faltenfreies Gesicht. Schließlich stellte Frau Rauscher fest, dass das „Vogelsberger Bergvolk“ zwar den größten Vulkan Europas und Gedern sogar eine Miss Vulkania habe, Frankfurt aber der Nabel der Welt sei.

Vor 170 Jahren vom Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann erschaffen, stand er nun quietschvergnügt auf der Gederner Kleinkunstbühne. „Seht mal her, hier steht er – garst’ger Struwwelpeter“, reimte Markus Karger. „Ich war damals ein Weihnachtsgeschenk für den Sohn von Heinrich Hoffmann. Aber drollig, wie ich nun mal bin, bin ich jetzt dem Kinderbuch entstiegen“, witzelte er. Immerhin ging es in dem Buch für Kinder um schreckliche Dinge wie Vandalismus, Kannibalismus und Rassismus. Außerdem sei es in dem Buch allen Kindern mit altdeutschen Vornamen schlecht ergangen. „Gibt es ihn denn heute auch noch, den Struwwelpeter? Sicher. Denn es gibt sie immer noch, die gestörten Kinder und ihre gestörten Eltern“, zischte der kleine Wicht mit dem ungekämmten Haarschopf und den meterlangen Fingernägeln und trällerte schließlich ein Liedchen auf alle Kinder mit ADHS.

Wenn auch in vornehmer und akzentfreier Wortwahl, so konnte Geheimrat Goethe den weiblichen Reizen im Publikum dennoch nicht widerstehen, hatte er sich doch in die Ehefrau des Weningser Allgemeinmediziners Dieter Rudolf Sand verguckt. „Sie sind so eine schöne Erscheinung in diesem Kaff. Schön, dass ihr Garten so wohlgeformte Äpfel trägt“, kniete er vor der Arztgattin in der vordersten Zuschauerreihe nieder. Dann aber nahm er die Zuhörer mit auf eine virtuelle Reise durch sein Leben, das mit seiner Geburt in Frankfurt begann und ihn im Zuge seiner Studienreisen unter anderen nach Leipzig, Straßburg, Wetzlar und ins Weimarer Herzogtum führte. Sein Herz aber gehörte immer seiner Heimatstadt. Uns so war es nicht verwunderlich, dass Herr Geheimrat Goethe sich auch 268 Jahre nach seiner Geburt über das jüngste Ereignis in Frankfurt ärgerte. „Jetzt haben die auch noch meinen Turm abgefackelt“, schimpfte er und stolzierte von der Bühne hinab und quer durch die Publikumssitzreihen hinaus in die Pause.

Quelle: Gederner Anzeiger, 28. Oktober 2017