Pressebericht: Lieber in Gedern als zu Hause

COMEDY Martin Guth begeistert mit seinem Programm „Das Beste vom Guthen“ in der Kulturremise / Unerschöpflicher Vorrat an Wortsalat

Martin Guth begeisterte mit seinem Programm „Das Beste vom Guthen“ in der Gederner Kulturremise. (Foto: Dahmer)

GEDERN – (ada). Ein Weißbrot mit Migrationshintergrund, den außerehelichen Stuhllager-Akt eines Bankers mit einem karrieregeilen Fonds-Luder und ein Buffet, das genauso mager war wie eine rumänische Kunstturnerin, hat Martin Guth jetzt in der Kulturremise ebenso ins Visier genommen wie sich selbst und seine Familie mit Ehefrau, Töchtern und Eltern.

Der „Meister der Wort-Jonglage“ aus dem Butzbacher Stadtteil Pohl-Göns war auf Einladung des Kulturkreises nach Gedern gekommen und bescherte dem Publikum mit seinem Gala-Showprogramm „Das Beste vom Guthen“ einen amüsanten, aufschlussreichen und lehrreichen Abend.

„Wenn ich mich heute Abend darauf freue, hier in Gedern zu sein, dann ist das leider bittere Realität. Denn bei mir privat zu Hause läuft es momentan grad nicht wahnsinnig gut. Deshalb erwartet Sie jetzt ein kunterbuntes Programm mit allen Facetten, die das Herz begehrt“, meinte Martin Guth. Anschließend ernannte er einen Besucher aus der ersten Reihe kurzerhand und ungefragt zum „Klassensprecher“. Er dürfe Kritik und Lob, Nachfragen und Anregungen der Zuhörer jederzeit kundtun und so zur allgemeinen Zufriedenheit beitragen.

Dann aber war Guth nicht mehr zu halten: Der 48-Jährige begann mit dem Titelsong aus seinem Programm „Meine Frau, ihr Mann und ich“ einen Angriff auf die Lachmuskulatur des Publikums. „Was ist nur mit mir als Mann passiert? Ich habe verlernt, im Stehen zu pinkeln. Sogar im Wald setze ich mich hin“, jammerte er. Anschließend stellte er den Zuhörern seine beiden musikalischen Unterstützer vor: Christian Krauß am Keyboard und Max Pfreimer an Gitarre und Schlagzeug. Beim „Mann an den Tasten“ hatte Guth allerdings eine Namensfindungsstörung. „Ich kann mir Namen nicht ,guth‘ merken. Ich Esel muss mir Brücken bauen“, sang er. Als der Keyboarder daraufhin gehörig in die Tasten schlug, dämmerte es Guth. „Aaah, der Krauß spielt die Leute nach Haus“, meinte er, deutete auf Christian Krauß und versprach ihm für jeden „selbsterwirtschafteten Applaus“ zusätzliche 50 Cent zur vereinbarten Gage.

Guth klärte das Publikum darüber auf, dass das Wort Doppelhaushälfte mathematischer Irrsinn sei, das Ergebnis von einem doppelten Pfund eines Kilos Hackfleisch halb und halb genau 250 Gramm sei und seine Töchter von diesen Wortsalaten bereits einen Drehwurm hätten. Bei Weisheiten wie „Teigwaren heißen Teigwaren, weil sie vorher Teig waren“ oder „Das Erlangen einer Fahrerlaubnis ist nicht mit Erlangen bei Nürnberg zu verwechseln“ brauchte der ein oder andere einen kleinen Moment länger, um die Pointe zu verstehen. Angelehnt an den Herbert-Grönemeyer-Song „Männer“ stellte Guth fest: „Was bin ich doch so unmännlich. Denn ich musste nie mit dem Kopf durch die Wand, ich war auch nie außen hart, sondern immer innen ganz weich, und ich habe auch nie Kriege geführt.“

Und schon kramte Guth wieder im Fundus seiner Familie und seiner zerrütteten Ehe. „Deine Figur war nie ein Problem. Man kann doch auch mit Anstand auseinander geh’n“, zischte er. Schließlich suchte er sein neues Glück auf www.schlafende-oberhessen.de, fand Damen mit nicht ausgeheilter „Scheidensehnenentzündung“, dem Hang zu Karabinerhaken im Schlafzimmer und eine „Extremveganerin“, die sogar Obst und Gemüse mit Tiernamen wie Löwenzahn und Porree boykottierte. Mit seinem Song „Werd ich grad alt – muss das jetzt sein?“ und dem Statement, dass er aus einer Zeit stamme, in der Frauen mit Haarbüscheln in den Achselhöhlen attraktiv und Männern eine wahre Haarpracht nicht auf dem Kopf, sondern aus Nasenlöchern und Ohrmuscheln spross, entließ Guth sich und das Publikum in die Nacht.

Quelle: Kreis-Anzeiger, 16. Mai 2018